NDR: Dortmund-Fans randalieren in Hannover

Es sind keine Chorknaben, die an jedem zweiten Wochenende bei Markus-Christian Kulz verkehren. Ganz im Gegenteil. Der Hannoveraner leitet seit Jahren die Vereinsgaststätte des Sportvereins Linden 1897 – doch so etwas wie am vergangenen Wochenende sei ihm noch nie passiert, sagte er NDR.de. Bei Kulz versammeln sich regelmäßig Auswärtsfans, die entweder keine Karte für ein Spiel in Hannover mehr abbekommen haben oder wegen Stadionverboten gar nicht mehr in die Arenen dürfen. Trotzdem bleibt meist alles ruhig in der Kneipe in der Stammestraße. Bis zum vergangenen Sonnabend. Bis etwa 200 Anhänger von Borussia Dortmund zu Gast bei Kulz waren.

Polizei nimmt keine Personalien auf

Dabei lief es gut für die Borussen: Ihr Team führte bereits mit 1:0 bei Hannover 96. Doch plötzlich kippte die Stimmung. Aus der Herrentoilette lief Wasser, jemand hatte das Klo aus der Wand gerissen. Aggression lag in der Luft, Gläser gingen zu Bruch. 120 Fans des BVB und des (befreundeten) 1. FC Köln in der Gaststätte; noch einmal etwa 80 Gästefans auf dem Gelände. Dem gegenüber standen etwa 80 bis 100 Polizeikräfte. Kulz verständigte die Beamten und bat darum, sein Lokal räumen zu lassen. Die Beamten machten Durchsagen an die Dortmunder und forderten sie auf, die Kneipe zu verlassen und in ihre Busse zu steigen. Es wurden keine Personalien der Randalierer aufgenommen.

„Es herrschte aggressive Stimmung“

„Das hätte die Ermittlungen nicht weitergebracht“, begründete ein Polizeisprecher das Vorgehen gegenüber NDR.de. Die Beamten hatten offenbar Bedenken, dass die Situation in Hannover-Linden sonst eskaliert wäre. „Es herrschte aggressive Stimmung“, so der Sprecher weiter. Wirt Kulz unterstützt die Vorgehensweise. „Sonst wäre noch vieles mehr zu Bruch gegangen“, glaubt er. Den Schaden beziffert der Club auf etwa 3.500 Euro – wer ihn bezahlt, steht noch nicht fest. Die Polizei hofft jetzt auf Hinweise der sogenannten Szenekundigen Beamten (SKB) – also Polizisten, die die Fanszene gut kennen.

BVB-Ultras demolieren Polizeiwagen

Es war nicht der einzige Vorfall des Wochenendes, bei dem die Polizei nicht besonders glücklich aussah: Bereits am Sonnabendvormittag hatten etwa 15 Anhänger der Dortmunder auf dem Rastplatz Auetal einen Polizeiwagen umgekippt und mit zahlreichen Aufklebern von Ultragruppen des BVB verziert. Die Beamten stellten zwar kurze Zeit später drei Reisebusse mit Fans von Borussia Dortmund – doch wer von den Insassen das Fahrzeug umgeschmissen und verschönert hatte, war nicht mehr festzustellen. Die Beamten hoffen nun auf Hinweise: Unter der Telefonnummer (0511) 109 39 20 können sich Zeugen bei der Polizei melden.

Quelle: http://www.ndr.de/sport/fussball/bundesliga/bvb185.html

Datum: Montag, 24. März 2014 15:14